Young Carers – Wenn Kinder und Jugendliche pflegen
Hilfst du oft zu Hause, weil Mama, Papa oder ein Geschwisterkind krank ist? Hast du weniger Zeit für Freunde oder Schule, weil du dich kümmern musst? Dann bist du ein "Young Carer". In Deutschland gibt es fast 500.000 Kinder und Jugendliche wie dich. Du bist nicht allein! Diese Seite zeigt dir, wo du Unterstützung findest.
Wichtig für dich: Es ist okay, Hilfe zu holen. Es ist kein Verrat an deiner Familie, wenn du sagst: "Ich kann nicht mehr." Im Gegenteil: Nur wenn es dir gut geht, kann es auch deiner Familie gut gehen.
Autor:Kassen-Lotse Team•Letzte Aktualisierung:
Was bedeutet es, ein "Young Carer" zu sein?
Viele Jugendliche merken gar nicht, dass sie Pflegeaufgaben übernehmen, weil es für sie "normal" ist. Doch wenn du regelmäßig folgende Dinge tust, zählst du dazu:
Du hilfst beim Waschen, Anziehen oder auf die Toilette gehen.
Du kümmerst dich um Medikamente oder Verbandswechsel.
Du erledigst den Großteil des Haushalts (Einkaufen, Kochen, Putzen), weil deine Eltern es nicht können.
Du passt ständig auf deine Geschwister auf oder musst sie beruhigen.
Du übersetzt bei Arztbesuchen oder regelst Behördenbriefe.
Du machst dir ständig Sorgen und bist emotional der "Starke" in der Familie.
Hier findest du konkrete Hilfe
Niemand erwartet, dass du das alles alleine schaffst. Es gibt spezielle Angebote nur für junge Menschen in deiner Situation:
Nummer gegen Kummer (116 111):
Hier kannst du anonym und kostenlos anrufen (Mo-Sa, 14-20 Uhr). Die Berater hören dir zu, egal was los ist. Es gibt auch eine Online-Beratung per Chat.
Projekt "Pausentaste":
Ein Angebot des Familienministeriums speziell für pflegende Kinder und Jugendliche. Hier findest du Beratung per Chat, Telefon oder E-Mail und viele Erfahrungsberichte anderer Young Carers.
Pflegestützpunkte vor Ort:
Dort arbeiten Profis, die schauen können, welche Hilfe (z.B. Pflegedienst, Tagespflege) deiner Familie zusteht, damit du entlastet wirst. Du kannst dort auch hingehen und sagen: "Wir brauchen Hilfe zu Hause."
Schulsozialarbeit & Vertrauenslehrer:
Wenn deine Noten leiden oder du oft müde bist: Sprich mit einer Lehrkraft deines Vertrauens. Schulen können Rücksicht nehmen, wenn sie wissen, was bei dir zu Hause los ist.
Rechte und Möglichkeiten für deine Familie
Oft pflegen Kinder, weil professionelle Hilfe fehlt oder das Geld knapp ist. Aber deiner Familie stehen Leistungen zu, die dich entlasten:
1. Pflegegrad beantragen
Hat dein Angehöriger einen Pflegegrad? Wenn nicht, sollte dieser unbedingt beantragt werden. Daran hängen Geld- und Sachleistungen. (Siehe unsere Info zum Pflegegrad).
2. Entlastungsbetrag nutzen
Ab Pflegegrad 1 gibt es 131 Euro im Monat. Damit kann z. B. eine Putzhilfe bezahlt werden, damit du nicht mehr den Boden wischen musst, sondern Zeit für Hausaufgaben hast.
3. Verhinderungspflege für Auszeiten
Wenn du oder die Hauptpflegeperson mal Urlaub braucht oder krank ist, zahlt die Kasse eine Ersatzpflege. Das Geld ist da – es muss nur abgerufen werden.
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Zu viel Papierkram zu Hause?
Musst du oft Briefe vom Amt für deine Eltern lesen oder Formulare ausfüllen?
Clerion hilft dir dabei. Die KI erklärt komplizierte Behördenbriefe einfach und verständlich
und hilft beim Antworten. Das spart Zeit und Nerven für die ganze Familie.
Diese Beispiele zeigen, wie Jugendliche in ähnlichen Situationen Hilfe gefunden haben.
Beispiel 1: Lisa (16) und die Schule
Situation: Lisas Mutter hat MS. Lisa macht den Haushalt und hilft beim Waschen. Ihre Noten rutschen ab, sie schläft im Unterricht ein.
Lösung: Lisa vertraut sich ihrer Klassenlehrerin an. Die Schule vermittelt Kontakt zu einer Beratungsstelle. Ein Pflegedienst kommt nun morgens.
Ergebnis: Lisa hat morgens keinen Stress mehr und kann sich besser auf ihr Abi konzentrieren.
Beispiel 2: Murat (14) und sein Bruder
Situation: Murats kleiner Bruder ist Autist und braucht ständige Aufsicht. Murat muss oft nachmittags aufpassen und kann nicht zum Fußballtraining.
Lösung: Die Familie nutzt den "Entlastungsbetrag" für einen Betreuer, der einmal die Woche mit dem Bruder spielt.
Ergebnis: Murat hat wieder einen freien Nachmittag für Fußball und Freunde.
Häufige Fragen (FAQ) für Young Carers
Darf ich Aufgaben ablehnen?
Ja! Du hast ein Recht auf deine eigene Kindheit und Jugend. Wenn dich Aufgaben körperlich oder seelisch überfordern (z.B. schweres Heben oder Intimpflege bei den Eltern), darfst du Nein sagen. Gemeinsam muss dann eine andere Lösung gefunden werden.
Wer hilft mir bei Hausaufgaben, wenn ich zu Hause keine Ruhe habe?
Viele Schulen bieten Hausaufgabenbetreuung an. Sprich mit deinem Lehrer oder Schulsozialarbeiter. Manchmal gibt es auch ehrenamtliche Paten oder Jugendzentren, wo du in Ruhe lernen kannst.
Muss ich mich schämen?
Nein, absolut nicht. Was du leistest, verdient großen Respekt. Viele schämen sich, weil ihre Familie "anders" ist, aber Krankheit und Behinderung gehören zum Leben dazu. Offenheit hilft oft gegen Scham.
Was passiert, wenn meine Eltern ins Krankenhaus müssen?
Für diesen Fall gibt es die "Haushaltshilfe" der Krankenkasse. Wenn kein Erwachsener im Haushalt ist, bezahlt die Kasse jemanden, der kommt, kocht und nach dem Rechten sieht, solange deine Eltern weg sind.